Portrait

Yvonne H. Detsch – Ein Portrait

portrait_neu Sie gibt, was sie liebt. Und genau das macht sie am liebsten. Daraus schöpft Yvonne Detsch die Freude, Kraft und Inspiration, mit der sie sich an die Aufgaben macht. Ein individuelles Schmuckstück, eine Wohnung nach dem ganz eigenen Geschmack, ein dekoratives Fest, ein Bühnenbild, ein Gemälde gefällig? Die Künstlerin hat eine Fülle an Fähigkeiten parat, die sie sich über die Jahre des Lernens und Schaffens angeeignet hat. Immer bleibt sie neugierig, immer entdeckt sie neue Felder und immer baut sie bereits Gekonntes ins neue Können ein. Farbe, Form, Thema, Ort, Material – es gibt keinen Gestaltungswunsch, zu dem Yvonne Detsch nichts einfallen würde.

Allerdings heißt das nicht, dass sie auch alles macht. Das nicht mehr. Das ist nach langjähriger Praxis ihr kompromissloser Punkt geworden. Machen kann ich es, aber macht es mir auch Freude? Was mache ich, für wen und mit wem? Kommt sie nach Beantwortung dieser Fragen zu einem für sich positiven Grundgefühl, macht sie sich ans Werk. Dann aber schonungslos. Da wird Tag und Nacht gearbeitet, wenn der Zeitrahmen es erfordert. So lange, bis das Ergebnis nicht nur erreicht, sondern für alle Beteiligten als gelungen angesehen wird. Erst so übergibt sie an den Auftraggeber das Werk, für das sie sich mit Hingabe eingesetzt hat. Keinen Schritt vorher.

Hat Yvonne Detsch die Entscheidung gefällt, ein Objekt anzugehen, kann davon ausgegangen werden, dass es ihr nicht nur enormen Spaß macht, sich bis ins kleinste Detail damit auseinander zu setzen, nein, aus der ihr eigenen wärmenden Freude heraus lugen Präzision und Perfektion. Und man kann sich, hat man sie begeistert, getrost mit allen gestalterischen Wünschen an sie wenden, denn eines ist ihr fremd: Voreingenommenheit.
Ihr Archiv zeigt das. Es beherbergt antiken Schmuck, der mit Sorgfalt restauriert wurde, zeitgenössische Einzelstücke, die in Glasvitrinen von der Brillanz der Erschafferin erzählen, Skizzen für Kostüme und Theaterräume, Gemälde, die poetischen Realismus versprühen, exklusive Bilderserien für exklusive Firmengebäude, Aufzeichnungen aufwändig zu inszenierender Feste, …

Portrait 2Und alles hängt mit allem zusammen – ganz entscheidend damit, dass Yvonne Detsch für sich in Anspruch nehmen kann, sich mit allen Sparten vertraut gemacht zu haben.
Sie schaute einem Bildhauer über die Schulter, nahm Informationen aus einer Schreinerei mit, fand bei einem Goldschmied in Rosenheim heraus, dass sie zur Goldschmiedin ausgebildet werden möchte, was sie an einer Berufsfachschule in Kaufbeuren umsetzte; erfuhr, wie Skulpturen aus Beton gemacht werden, lernte bei einem Kirchengoldschmied, arbeitete in bei einem Juwelier in München und stemmte als Geschäftsfrau ihr eigenes „Schmuckkästchen“ mit Werkstatt in Mühldorf.

Darauf folgten einige Jahre bei Veranstaltungsagenturen. Das hieß unter anderem: ein Fest für Münchens Kaffee-Chef Alois Dallmayr ausrichten, die Räume für eine Hochzeit auf Gut Ising im Chiemgau ausstaffieren und die Dekoration einer Schmuckausstellung von Cartier übernehmen. Nebenher hat die Künstlerin weiter gezeichnet und Schmuck entworfen, Wohnungen umgestaltet, eine Sauna aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts in ein Römisches Bad verwandelt und wieder eine neue Liebe entdeckt: Weiß. Ihre jüngsten Skulpturenbilder sind weiß. Diesmal lässt sie Farbe von außen kommen. Durch Tageslicht, Lampen, Kerzen, je nachdem. Ein Bild hat sie dem Oxidationsprozess ausgesetzt. Es hängt an ihrem Häuschen bei Wasserburg am Inn, im Freien, verrostet. An manchen Stellen blitzt ein Rosenrot auf. „Da kommt das Leben durch“, sagt Yvonne Detsch. Freut sich darüber, das Schöne zu sehen, und weiß, das ist ein Moment, in dem sie malen könnte, denn sie malt, wenn sie glücklich ist. Sich mit Hass, Wut oder Ärger auf einer Leinwand auszutoben, das mag sie nicht: „Ich habe nicht das Recht, dies an den Leuten auszulassen.“

Ihr Handwerk in Kombination mit einem spannendem Auftrag ergibt das, was ihr liegt: etwas Ganzes entstehen zu lassen. Am liebsten in Gemeinschaftsarbeit, so wie derzeit mit Kinderbuchautorin Angie Weiss. Beim Illustrieren bewegt sie sich auf einem Grat zwischen der Geschichte der Autorin, der Kritik von künftigen Lesern und dem Freiraum, den sie der Phantasie vorbehalten möchte. So tastet sie sich aufs Neue an eine glückende, beglückende Verbindung zwischen Kunst und Mensch heran. So wie sie das selbst als Kind erlebt hat, als sie in Kreisen von Künstlern wie Petra Moll und Rupert Stöckl und Musikern wie Friedrich Gulda saß und staunend aufsog, was ihr an Kunst und Musik im Bekanntenkreis der Eltern dargeboten wurde.
Jetzt sieht sie sich ihr Wissen weitergeben, hat die Kinder zu Besuch, die ihre Illustrationen kritisieren, hat Jugendliche im Haus, die Praktikum machen. Neben der handwerklichen Fähigkeiten gibt sie ihnen mit, was sie als ihr Geschenk schätzen gelernt hat: jeden Tag dankbar annehmen, die Augen der Welt gegenüber aufmachen, die Kunst leben und das Leben als solches lieben zu können.

Regina Semmler-Huber
Juni 2009

Yvonne H. Detsch, geb. 1963 in Viersen, wuchs in Gars am Inn auf. Sie lebt und arbeitet als freischaffende Goldschmiedin, Malerin, Restauratorin und Raumgestalterin bei Wasserburg am Inn.